Sollingschule - Haupt- und Realschule Uslar
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Förderkreis Sollingschule Uslar

Vorwort

Was sind Stolpersteine?

Stolpersteine sind in Gehwege eingelassene Betonsteine, die auf der Oberseite mit einer 10 x 10 cm großen Messingtafel versehen sind. In diese Messingtafeln werden die wichtigsten Lebensdaten in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgter und ermordeter Einwohner eingraviert. Sie sollen die Vorübergehenden über das Schicksal dieser Menschen informieren und zum Innehalten und Gedenken auffordern.
Im Jahre 1990 erhielt der Kölner Bildhauer Gunter Demnig den Auftrag, ein Denkmal für die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Roma und Sinti in Köln zu entwerfen. Das war für ihn der Anstoß, sich intensiver mit Erinnerungs - und Gedenkarbeit zu beschäftigen und nach praktikablen Möglichkeiten zu suchen, sie dort zu praktizieren, wo die Verfolgten und Ermordeten geboren sind oder einst ihren Lebensmittelpunkt hatten. Bereits 1993 begann Demnig , Namen und wichtige persönliche Daten von Opfern des Nationalsozialismus in Gedenksteine einzugravieren. Die Idee der Stolpersteine war geboren. Im Jahre 1996 erhielt Demnig seinen ersten offiziellen Auftrag, im Berliner Bezirk Kreuzberg 55 Stolpersteine zu setzen.
Gunter Demnig beschreibt sein Projekt „Stolpersteine" folgendermaßen: „Ein Projekt, das die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Roma und Sinti, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus lebendig erhält."
Konkret sind Stolpersteine in Bürgersteine eingelassene Betonsteine, die auf der Oberseite mit einer 10 x 10 cm großen Messingtafel versehen sind. In diese Messingplatten werden die wichtigsten Lebensdaten verfolgter und ermordeter Einwohner während der Zeit des Nationalsozialismus eingraviert. Sie sollen die Vorübergehenden über das Schicksal dieser Menschen informieren und dem Betrachter zeigen, woher diese Menschen stammen und wo sie vor ihrer Vertreibung oder Vernichtung ihren Lebensmittelpunkt hatten.
Die völlig andere Gestaltung dieser Steine gegenüber den normalen sie umgebenden Gehwegsteinen - und platten fällt auf und fordert zum Innehalten und Verweilen auf, aber wohl kaum dazu, bewusst auf diese Steine zu treten. Um die Inschriften der Steine lesen zu können, muss man sich zu ihnen herunterbeugen, eine späte symbolische Verbeugung vor den Opfern.
Das Kaufhaus Kahlberg in der Langen Straße
Gegner der Stolpersteine fuhren immer wieder gerne als Gegenargumente an, dass die Namen der Toten "mit Füßen getreten" werden, die Steine durch Hunde verunreinigt und leicht beschädigt oder zerstört werden können. Wer eine Gedenktafel unbedingt mutwillig beschmieren oder beschädigen will, wird das immer versuchen, ob sie nun im Boden eingelassen oder an einer Hauswand angebracht ist. Wir werden dies im einen wie auch im anderen Falle wohl kaum verhindern können. Wir möchten aber vorschlagen, die Steine möglichst in unmittelbarer Hausnähe in die Gehwege einzulassen, so dass ihre Inschriften durch den zeitweise doch regen Fußgängerverkehr, vor allem in der Langen Straße, nicht zu starkem Abrieb ausgesetzt und mit der Zeit unleserlich werden.
Gestatten Sie mir noch die Feststellung, dass unausgesprochen wohl für den einen oder anderen hinter den genannten Argumenten gegen Stolpersteine auch die Befürchtung stehen mag, dass durch das Setzen von Stolpersteinen zu viele Stätten der Erinnerung entstehen könnten und man auf seinem täglichen Gang durch die Stadt immer wieder an die nationalsozialistischen Greueltaten erinnert wird.
Wer so denkt, sollte sich an die Worte des Bundespräsidenten von Weizsäcker aus seiner Rede anlässlich des 40. Jahrestages des Kriegsendes erinnern: „Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren!"
Die Lange Straße in Uslar, um 1880
Die jüdische Gemeinde in Göttingen befürwortet im übrigen das Gedenkprojekt „Stolpersteine". Ihr Vorsitzender Harald Jüttner hat sich, als er vom Uslarer Projekt hörte, spontan dazu bereit erklärt, für den Stein von Hans Kahlberg in der Langen Straße die Patenschaft zu übernehmen und ihn zu finanzieren.
Gunter Demnig hat bis heute in mehr als 218 Orten nicht nur in Deutschland fast 10.000 Stolpersteine gesetzt, sondern auch in Österreich, Italien und den Niederlanden. Zu diesen Städten gehören u. a. Hamburg mit 700 Stolpersteinen, Berlin mit mehreren hundert Steinen, Frankfurt am Main , Bremen, Braunschweig, Mönchengladbach , Würzburg, aber auch zahlreiche kleinere Orte wie Rothenburg A.Vümme, Bad Wildungen, Fritzlar, demnächst unsere Kreisstadt Northeim und hoffentlich bald auch Uslar.
Das Projekt „Stolpersteine in Uslar" war ursprünglich als Beitrag der Sollingschule Uslar zu den Feierlichkeiten anlässlich der 1000 - Jahrfeier Uslars gedacht. Die damalige Ratsmehrheit in der Stadt akzeptierte diesen Vorschlag jedoch nicht.
Wir wollten mit unserem Vorschlags den jüdischen Verfolgten und Ermordeten eigentlich nur ihre Namen und damit auch ihre Ehre zurückgeben und sie dem Vergessen entreißen. Für die meisten von ihnen gibt es keine Gräber, keine Grabsteine und damit auch keine Orte der Trauer. Erinnern und Gedenken brauchen aber - nicht nur nach jüdischer Vorstellung - einen persönlichen Bezug, nämlich die Namen der Betreffenden. Und eben diese Namen wollten die Nationalsozialisten ihren Opfern für immer nehmen. Es gibt ein jüdisches Sprichwort, das lautet „ Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist!" Eingedenk dieses Sprichwortes werden in der nationalen israelischen Holocaust - Gedenkstätte Yad Vashem bei Jerusalem ununterbrochen die Namen der in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern ermordeten Kinder verlesen.
Wir freuen uns nun, dass wir heute unser Projekt auf dieser Gedenkveranstaltung der Öffentlichkeit vorstellen können. Wir möchten gerne für 19 Personen Stolpersteine setzen lassen, für 17 Frauen und Männer jüdischer Religion bzw. Abstammung und zwei nichtjüdische Männer. Diese Steine sollen nicht nur an Verfolgung, Emigration, Deportation oder Freitod der betreffenden Personen während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnern, sondern auch an einige bedeutende jüdische Persönlichkeiten, die aus der kleinen jüdischen Gemeinschaft der Stadt hervorgegangen sind. Die genannte Zahl von 19 Stolpersteinen kann durchaus vorläufigen Charakter haben, falls uns weitere bisher nicht bekannte Opfer nationalsozialistischer Verfolgung genannt werden.
Der Künstler Gunter Demnig wird, wie er es überall handhabt, die Steine selbst setzen. Dabei werden ihn aber Schüler unser Schule unterstützen, soweit dies möglich ist, und seine Arbeit mit Aktionen begleiten. Das Einlassen der Steine in die Gehwege wird, wie Herr Demnig andeutete, wohl in mehreren Abschnitten erfolgen, da das Interesse an Stolpersteinen in großen wie in kleinen Städten erfreulicherweise immer mehr zunimmt. In den ersten vier Monaten des Jahres 2007 sind bereits mehr als 40 neue Aktionen bundesweit geplant.
Zum Abschluss unserer Ausführungen möchten wir Sie noch kurz über die Finanzierungsmöglichkeiten der Stolpersteine in unserer Stadt informieren. Ein Stolperstein wird 95 Euro kosten. Wir hoffen, die dafür insgesamt anfallenden Kosten in Höhe von ca 1805 Euro durch die Übernahme von Patenschaften beziehungsweise durch die direkte Kostenübernahme durch einzelne engagierte Bürger der Stadt oder Gruppen, Vereine und Organisationen aufbringen zu können.
Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Rat der Stadt Uslar bald die rechtlichen Grundlagen für die Verlegung der Stolpersteine schafft.
Anschließend werden Ihnen Schülerinnen und Schüler der Realschule Uslar die Biographien von sieben jüdischen Familien und Einzelpersonen vorstellen, soweit sie rekonstruiert werden konnten.


 

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