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Gertrud Birnbaum

Gertrud Birnbaum
Gertrud Birnbaum wurde am 30. 9. 1897 in Bösingfeld bei Lemgo als Tochter des jüdischen Apothekerehepaares Georg und Helene Birnbaum geboren. Während ihres Pharmaziestudiums in Berlin trat Gertrud Birnbaum zur Religionsgemeinschaft der Baptisten über. Sie war eine der ersten Frauen in Deutschland, die Pharmazie studierte. Seit 1928 arbeitete sie als Apothekerin in der Ratsapotheke H. Welter in der Langen Straße in Uslar. Nach 1935, als bekannt wurde, dass Gertrud Birnbaum jüdischer Abstammung war, nahmen die Anpöbeleien und Belästigungen zu, da man sich „ nicht von einer Jüdin Medikamente verkaufen lassen wollte“. Im Northeimer „Heimat-Beobachter“ erschienen verleumderische Artikel und Karikaturen, die sie mit einer großen Hakennase und einer Giftflasche in der Hand zeigten.
Frau Birnbaum besaß einen Danziger Pass, den sie trotz heftigen Drängens der Behörden nicht gegen einen deutschen eintauschte. Dieser Pass gab ihr als quasi Ausländerin erhöhte Sicherheit. Nach der Veröffentlichung eines weiteren Hetzartikels im „Heimat–Beobachter“ vom 19. 12. 1938 entschloss sie sich schließlich doch dazu, Uslar zu verlassen. Der Besitzer der Ratsapotheke Heinrich Welter brachte sie – vermummt in einem Militärmantel – im Schutze der Dunkelheit zum Uslarer Bahnhof. Von dort fuhr sie nach Kassel und hielt sich in der kleinen pharmazeutischen Fabrik Welters für längere Zeit versteckt. 1939 verließ Gertrud Birnbaum ihr Versteck und fand bei einer ihr befreundeten Baptistenfamilie in Hohnstedt im Landkreis Northeim Zuflucht. Dort wurde sie allerdings kurze Zeit später beim Milchholen von einer Frau erkannt, so dass sie noch am selben Abend Hohnstedt verlassen musste. Von Kreiensen gelangte sie über Magdeburg, Dresden, Leipzig und Halle zu der Pastorenfamilie Pfannschmidt in Groß–Kiesow bei Greifswald. Pastor Pfannschmidt, ein Mitglied der Bekennenden Kirche, versuchte auch mit Hilfe des brandenburgischen Propstes Grüber noch eine Ausreisemöglichkeit für Gertrud Birnbaum zu erreichen. Doch all seine Bemühungen blieben erfolglos. Sie blieb schließlich als Kindermädchen im Pfarrhaus. Gertrud Birnbaum war sich ihrer gefährlichen Lage und der damit verbundenen Gefährdung der Familie Pfannschmidt durchaus bewusst, denn die Gestapo überwachte die Familie Pfannschmidt. Sie gab sich schließlich als Flüchtling aus, trat der NSDAP bei und sammelte sogar die Mitgliedsbeiträge in Groß–Kiesow ein. Außerdem schloss sie sich einer Schippkolonie des Reihsarbeitsdienstes in Hinterpommern an. Es gelang ihr so, bis 1944 ihre wahre Identität zu verbergen. Zu dieser Zeit war sie schon stark geschwächt von den Entbehrungen und Anstrengungen der letzten Jahre.
Ende 1944 schloss sie sich einem Flüchtlingstransport aus Oberschlesien an und kam unerkannt wieder nach Uslar zurück. Dort fand sie sofort wieder eine Bleibe bei Heinrich Welter, der sie in einem Laborrraum im Hinterhaus der Apotheke versteckte. Im Dezember 1945 meldete sich Gertrud Birnbaum offiziell beim Einwohnermeldeamt in Uslar an. Sie wollte und musste wieder als Apothekerin arbeiten, um ihre Approbation nach der langen Arbeitspause nicht zu verlieren. Heinrich Welter stellte sie schließlich wieder in der Ratsapotheke ein. 1949 adoptierte sie einen Jungen aus einem Waisenhaus in Kattowitz.
1950 verließ sie Uslar und arbeitete in der Einhorn–Apotheke in Adelebsen. Von dort zog sie 1952 nach Hannover und eröffnete mit einer Teilhaberin in der Kurt–Schumacher–Straße eine eigene Apotheke, die Paracelsus-Apotheke.
Gertrud Birnbaum starb am 4.4. 1956 nach langer schwerer Krankheit in Uslar. Sie wurde auf dem Friedhof der Freikirchlichen Gemeinde an der Straße nach Eschershausen beerdigt.
Gertrud Birnbaums Schwester Ellen konnte nach Palästina emigrieren. Sie lebte bis zu ihrem Tod in Tel Aviv.

Hier überlebte

Gertrud Birnbaum
1897 - 1956
im Versteck
1944 - 1945


 

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